Schließung der Homann-Werke: Profit vor sozialer Verantwortung

Wilhelm Priesmeier, agrarpolitischer Sprecher;
Rainer Spiering, zuständiger Berichterstatter:
Ende letzter Woche erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Müller-Gruppe per Zeitungsmeldung von der Schließung der Homann-Werke in Dissen. Damit verliert eine Stadt von 10.000 Einwohnern auf einen Schlag 1.200 Arbeitsplätze.
 
Berlin, 28.04.2017 - „Mit dieser unternehmerischen Entscheidung verspielt die Müller-Gruppe den letzten Funken guten Ruf, den es am Wirtschaftsstandort Deutschland noch hatte. Denn dies reiht sich ein, in eine lang geübte Praxis, bei der Profite wichtiger sind als soziale Verantwortung. So musste die Käserei Loose im Kreis Goslar 2007 nach dem Ende der Förderlaufzeit abwandern. Außerdem zog die Familie Müller 2003 in die Schweiz, um der deutschen Erbschaftssteuer zu entkommen.
 
Die Müller-Gruppe begründet die Stilllegung mit der Nichtkonkurrenzfähigkeit des jetzigen Standortes, nachdem jahrelang nicht in die Zukunftsfähigkeit investiert wurde. Offensichtlich ging es bei dieser Entscheidung nicht um technologisch oder logistisch bedingte Gründe, sondern um die Höhe der Arbeitslöhne. So ist davon auszugehen, dass beim jetzigen Lohnunterschied 6.000 Euro pro Facharbeiter pro Jahr eingespart werden. Außerdem ist zu befürchten, dass in einigen Jahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am neuen Standort in Sachsen nach der Abgeltung von etwaigen Subventionen auch ihre Arbeit verlieren werden, sobald sich woanders eine neue Standortförderung anbietet. Gewinne auf Kosten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nicht die Politik der SPD.
 
Das Unternehmen entzieht sich seiner sozialen Verantwortung und scheint sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass unser Sozialwesen auf dem Ausgleich der Interessen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beruht. Für einen Hersteller von Lebensmitteln ist dies kein gutes Marketing. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten wissen, dass die Müller-Gruppe nicht vor brutalem Lohndumping zurückschreckt, um günstige Produkte herzustellen. Über das Konsumverhalten kann jeder abstimmen, ob dieses Geschäftsgebaren gesellschaftlich akzeptabel ist.“
 

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